 |
Stauffacher: Mir ist das Herz so voll, mit Euch zu reden. Tell: Das schwere Herz wird nicht durch Worte leicht. Stauffacher: Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden. Tell: Beim Schiffbruch hilft der einzelne sich leichter. Stauffacher: So kalt verlasst Ihr die gemeine Sache? Tell: Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst. Stauffacher: Verbunden werden auch die Schwachen mächtig. Tell: Der Starke ist am mächtigsten allein. Stauffacher: So kann das Vaterland auf Euch nicht zählen, Wenn es verzweiflungsvoll zur Notwehr greift? Tell (gibt ihm die Hand): Der Tell holt ein verlornes Lamm vom Abgrund, Und sollte seinen Freunden sich entziehen? Doch was ihr tut, lasst mich aus eurem Rat, Ich kann nicht lange prüfen oder wählen; Bedürft ihr meiner zu bestimmter Tat, Dann ruft den Tell, es soll an mir nicht fehlen.
Walter Fürst: So müssen wir auf unserm eignen Erb' Und väterlichen Boden uns verstohlen Zusammenschleichen, wie die Mörder tun, Und bei der Nacht, die ihren schwarzen Mantel Nur dem Verbrechen und der sonnenscheuen Verschwörung leihet, unser gutes Recht Uns holen, das doch lauter ist und klar, Gleichwie der glanzvoll offne Schoss des Tages. Melchtal: Lasst's gut sein. Was die dunkle Nacht gesponnen, Soll frei und fröhlich an das Licht der Sonnen.
Stauffacher: Wir stiften keinen neuen Bund, es ist Ein uralt Bündnis nur von Väter Zeit, Das wir erneuern! Wisset, Eidgenossen! Ob uns der See, ob uns die Berge scheiden und jedes Volk sich für sich selbst regiert, So sind wir eines Stammes doch und Bluts, Und eine Heimat ist's, aus der wir zogen. Die andern Völker tragen fremdes Joch, Sie haben sich dem Sieger unterworfen. ... Doch wir, der alten Schweizer echter Stamm, Wir haben stets die Freiheit uns bewahrt. Nicht unter Fürsten bogen wir das Knie, Freiwillig wählten wir den Schirm der Kaiser. ... Unser ist durch tausendjährigen Besitz Der Boden - und der fremde Herrenknecht Soll kommen dürfen und uns Ketten schmieden und Schmach antun auf unsrer eignen Erde? Ist keine Hilfe gegen solchen Drang? ... Nein eine Grenze hat Tyrannenmacht: Wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, Wenn unerträglich wird die Last - greift er Hinauf getrosten Mutes in den Himmel Und holt herunter seine ew'gen Rechte, Die droben hangen, unveräusserlich Und unzerbrechlich wie die Sterne selbst - der alte Urstand der Natur kehrt wieder, Wo Mensch dem Menschen gegenübersteht - Zum letzten Mittel, wenn kein andres mehr Verfangen will, ist ihm das Schwert gegeben Der Güter höchstes dürfen wir verteid'gen Gegen Gewalt - Wir stehn vor unser Land, Wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder!
Walther Fürst: Abtreiben wollen wir verhassten Zwang, Die alten Rechte, wie wir sie ererbt Von unsern Vätern, wollen wir bewahren, Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen. Dem Kaiser bleibe, was des Kaisers ist, Wer einen Herrn hat, dien' ihm pflichtgemäss. ... Was sein muss, das geschehe, doch nicht drüber. Die Vögte wollen wir mit ihren Knechten Verjagen und die festen Schlösser brechen, Doch, wenn es sein mag, ohne Blut. Es sehe Der Kaiser, daß wir notgedrungen nur Der Ehrfurcht fromme Pflichten abgeworfen. Und sieht er uns in unsern Schranken bleiben, Vielleicht besiegt er staatsklug seinen Zorn, Denn bill'ge Furcht erwecket sich ein Volk, Das mit dem Schwerte in der Faust sich mässigt.
Pfarrer Rösselmann spricht die Schwurformel vor: - Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, In keiner Not uns trennen und Gefahr. - Wir wollen frei sein, wie die Väter waren, Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben. - Wir wollen trauen auf den höchsten Gott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.
Wilhelm Tell (Sohn Walter übt mit Pfeil und Bogen): Früh übt sich, was ein Meister werden will. ... Die Axt im Haus erspart den Zimmermann. ... Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten.
Hedwig, Tells Frau: O rohes Herz der Männer! Wenn ihr Stolz Beleidigt wird, dann achten sie nichts mehr, Sie setzen in der blinden Wut des Spiels Das Haupt des Kindes und das Herz der Mutter! ... Wo waret ihr, da man den Trefflichen in Bande schlug? Wo war da eure Hilfe? Ihr sahet zu, ihr ließt das Grässliche geschehn, Geduldig littet ihr's, dass man den Freund Aus eurer Mitte führte - Hat der Tell Auch so an euch gehandelt? Stand er auch Bedauernd da, als hinter dir die Reiter Des Landvogts drangen, als der wüt'ge See Vor dir erbrauste? Nicht mit müss'gen Tränen Beklagt' er dich, in den Nachen sprang er, Weib Und Kind vergass er und befreite dich - ... Ach, in des Kerkers feuchter Finsternis Muss er erkranken - Wie die Alpenrose Bleicht und verkümmert in der Sumpfesluft, So ist für ihn kein Leben als im Licht Der Sonne, in dem Balsamstrom der Lüfte. Gefangen! Er! Sein Atem ist die Freiheit, Er kann nicht leben in dem Hauch der Grüfte.
Der sterbenden Freiherrn von Attinghausen: Hat sich der Landmann solcher Tat verwogen, Aus eignem Mittel, ohne Hilf' der Edeln, Hat er der eignen Kraft so viel vertraut - Ja, dann bedarf es unserer nicht mehr, Getröstet können wir zu Grabe steigen: Er lebt nach uns - durch andre Kräfte will Das Herrliche der Menschheit sich erhalten.
Wilhelm Tell: Durch diese hohle Gasse muss er kommen, Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht - Hier Vollend ich's - Die Gelegenheit ist günstig. Dort der Holunderstrauch verbirgt mich ihm, Von dort herab kann ihn mein Pfeil erlangen, Des Weges Enge wehret den Verfolgern. Mach deine Rechnung mit dem Himmel Vogt, Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen. ... Du bist mein Herr und meines Kaisers Vogt, Doch nicht der Kaiser hätte sich erlaubt, Was du - Er sandte dich in diese Lande, Um Recht zu sprechen - strenges, denn er zürnet - Doch nicht, um mit der mörderischen Lust Dich jedes Greuels straflos zu erfrechen: Es lebt ein Gott, zu strafen und zu rächen. Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.
Vogt Gessler: Das ist Tells Geschoss.
Melchtal: Wer Tränen ernten will, muß Liebe säen.
|
 |