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Jean de la Fontaines auch Delafontaines geschrieben lebte von 1621 bis 1695 und gilt auch heute noch als "roi des vers" als König der Verse. Seine Fabeln haben ihn nicht nur in Frankreich, sondern weltweit unsterblich gemacht. 1668 schuf er seine ersten sechs Fabelbände. Die weiteren sechs folgten in den Jahren 1678 und 1693.
Während die ersten Bände eher klassische Fabeltradition verkörpern und sich durch eine pointierte Handlung mit einer moralischen Aussage auszeichnen, tritt bei den späteren Bänden die Zeitkritik stärker in den Vordergrund. So schrieb Jean de la Fontaines fast 250 Fabeln in einem Vierteljahrhundert, und noch heute sind sie sehr populär und zählen zur Weltliteratur.
Hier sollen einige Ausschnitte aus seinen füheren Werken mit dem bekannten erhobenen Zeigefinger der Moral lesbar sein.
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Ameisen trockneten einst feucht gewordene Früchte. Eine Grille bat sich ein wenig davon aus, um ihren Hunger stillen zu können.
"Du hättest", sagten sie zu ihr, "auch im Sommer sammeln sollen, dann dürftest du jetzt nicht bei uns betteln." - "O", antwortete sie, "dazu hatte ich keine Zeit!" - "Was tatest du denn?" fragten die Ameisen. "Ich sang", erwiderte sie, "und ihr wisst, dass mein Gesang den Menschen zum Einschlafen nötig ist."
"Wenn dem so ist", höhnten sie sie, "so lass dich von denen jetzt füttern, die du in den Schlaf gesungen."
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Auf einem Baume Meister Rabe hockt, im Schnabel hält er einen Happen Käse. Vom Käseduft herbeigelockt, pricht er so fein als ob er läse: Ei, guten Morgen, Herr von Rabe, Was seid Ihr hübsch, welch stattliches Gehabe! Nein ohne Lüge, Eurer Stimme Pracht, wär sie so schön wie Dero Federtracht, des Waldes König wäret, ohne Zweifel, Ihr! Der Rabe schnappt fast über vor Begier; gleich soll der Wohllaut seiner Stimme schallen: er reißt den Schnabel auf und lässt den Käse fallen; den schluckt der Fuchs; es schmunzelte der Heuchler und sprach: Mein Herr, ein jeder Schmeichler lebt gut und gern von dem, der auf ihn hört: die Lehre ist doch wohl ein Stückchen Käse wert!
Der Rabe, wütend und verdrossen, schwor ab, jedoch zu spät, für immer solche Possen.
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"Pfrzzz!" sagte Schnecke Edeltraud. "Was soll ich mit Salat? Meiner Großwürdigkeit sei nur das Beste gerade gut genug!" Deshalb ersann sie sich das Allerehrwürdigste, was ihr in diesem Moment einfiel: Ja, für sie kam nur eins in Frage: "Honig!". Und schon schickte sie sich auch an, den Wildbienenstockbaum zu suchen.
Als sie nach 15 Tagen und gut 3,74 m dann endlich einen gefunden hatte, sagte sie sich: "Der Baum ist zwar hoch, aber: nur das Beste für die Beste!" Und sie begann, den Baum hinaufzuschleimen. Auf halber Strecke ging ihr die Kraft aus und sie rutschte an ihrem eigenen Schleim ab und fiel den Baum hinunter.
Gott sei Dank war ihr Schleim nach unten geronnen und hatte sich auf dem Boden zu einer Lache angesammelt; sonst hätte die Arme sich beim Aufprall wohl sehr verletzt. So ist sie nur in ihrem eigenen Schleim ertrunken.
Und die Moral? Hochmut kommt vor dem Fall und Schleimen macht alles nur noch schlimmer!
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