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An jenem Samichlaustag vor mehr als fünf Jahren, waren Churchi und ich als erste Polizeipatrouille am Unfallplatz Seebrücke. Damals haben eine Mutter und ihr Kind bei einem schweren Verkehrsunfall ihr Leben verloren.
Diese Kollision mitten in der Adventszeit hat nicht nur bei mir, sondern vermutlich bei allen andern Beteiligten, eine tiefe und bleibende Erinnerung hinterlassen. An diesem Tag, habe ich erstmals nach dem Dienst eine Dusche genossen, die nicht nur der eigentlichen Körper– sondern auch der Geisteshygiene dienen sollte. Das Duschen half mir an diesem Abend nicht nur den Dreck und das Blut von den Händen, sondern auch den erlebten Tag von der Seele zu waschen. Danach fühlte ich mich frisch und verliess das Polizeigebäude, ohne noch lange über den Unfall nachzudenken.
Dies zeigte mir auf, dass für mich das Duschen auch ein psychologischer Effekt hat. Von nun an zog ich nicht nur einfach die Uniform aus, sondern duschte mich so zu sagen ins Privatleben zurück. Weg mit dem Ärger, der psychischen Belastung und vor allem weg mit dem Stress. Und so lange dies funktioniert, haut mich nichts mehr um.... Holz alänge!
Weg mit dem Stress? Was ist den eigentlich Stress. Es ist wichtig, ‚Stress’ einmal genau zu definieren.
Im Duden findet man unter dem Begriff Stress eine ‚starke körperliche und seelische Belastung; ugs. auch für Ärger’.
Das Wort Stress kommt von Stoss oder Schlag. Es bedeutet die physiologische (körperliche), psychische (seelische) und verhaltensmässige Reaktion eines Individuums, das versucht sich inneren und äusseren Belastungen anzupassen und sich darauf einzustellen.
Der Stress ist eigentlich ein Paradox für den Menschen. Einerseits ist Stress ein ganz wesentlicher Bestandteil unseres Lebens, der uns den Impuls für Vitalität, Antrieb und Fortschritt ist. Andererseits ist Stress aber auch die Ursache für die verschiedenen soziologischen, medizinischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten unserer Zeit.
Das Ausschalten von Stress ist jedoch höchst unerwünscht und auch unmöglich. Physiologisch gesehen, ist das vollständige Fehlen von Stress gleichbedeutend wie das Fehlen von Adrenalin, dem Körper eigenen Antriebsmittel, und bedeutet somit den Tod des Individuums. Einen gewissen Adrenalinpegel benötigt nämlich jeder Körper, auch in 'stresslosen' Zeiten, damit überhaupt das Herz schlägt und die Atmung funktioniert. Adrenalin wird dann auch von den Ärzten im Falle eines plötzlichen Herzstillstandes verabreicht, um das Herz mittels dem Defibrilator wieder in Gang zu bringen. Bei Stress schüttet der Körper also noch zusätlich Adrinalin aus, was den Körper zu wahren Höchstleistungen treibt.
Um heute gesund zu bleiben und Erfolg zu haben, ist eine gewisse Resistenz gegen Stress notwendig. Der Umgang mit Stress hängt im wesentlichen mit dem einzelnen Individuum zusammen. Stress bedeutet eben nicht für jeden Stress. Was der eine als spannende Herausforderung versteht, kann ein anderer als niederschmetternd und belastend empfinden. Natürlich spielt auch die jeweilige Stimmung und Tagesform eine grosse Rolle bei der Stresswahrnehmung.
Als Stressoren (also Ursachen für Stress) kommen die verschiedensten Faktoren wie Frustration, Ängste, Überbelastung, aber auch Lärm, Temperaturen, Ernährung oder Suchtmittel in Betracht. Manchmal löst nur schon der blosse Gedanken an Vergangenes oder die Zukunft, bei Einzelnen eine Stresssituation aus, da das Hirn mit seiner unerhörten Vorstellungskraft die Reaktionen unserer Körpers steuert.
Stress ist kein neues Phänomen oder nur auf eine gewisse Gesellschaftsform ausgerichtet. Stress kennen auch die Tiere. Er ist eine verhaltensmässige Reaktion, die auf die uralte ‚Kampf–oder–Flucht’–Reaktion zurückgeht. Schon unsere Urahnen reagierten unverzüglich auf ein lebensbedrohendes Ereignis. Um zu überleben, musste der Höhlenbewohner bei Gefahr entweder kämpfen oder weglaufen.
Für eine unverzügliche körperliche Aktionsbereitschaft sorgte ein komplexer Teil unseres Hirns. Durch Ausschüttung von Stresshormonen und Adrinalin in die Blutbahnen sorgte es für die Steigerung der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Damit verbunden wurde die Atmung schneller, die Muskeln spannten sich und es fand eine schnelle Energiezufuhr in die Körperglieder statt. Durch eine gewisse Blutlosigkeit wurde jedoch dadurch zugleich die Hirntätigkeit vermindert, was häufig auch eine kopflose Reaktion verursachte.
Sobald die Gefahr vorbei war, kehrte der Höhlenbewohner wieder in den Ruhestand zurück. Die gleichen Mechanismen laufen auch heute noch ab. Nur können wir, in für uns bedrohlichen Fällen, selten kämpfen oder fliehen. Die zusätzlich ausgeschütteten Hormone bleiben somit im Körper und werden nicht abgebaut. Wir kämpfen also mit prähistorischen Waffen gegen die Schwierigkeiten unserer längst technikorientierten Zeit und müssen einen Weg finden, Stress zu erkennen und ihm wirksam entgegen zu treten.
Wie bereits erwähnt, hat das gänzliche Fehlen von Stress die gleiche Bedeutung mit Tod. Dies rührt daher, dass wir ohne einen Antrieb (also Stress) nichts zustande bringen, nicht einmal das Atmen. Ein gewisses Mass an Stress oder Stimulierung ist für unsere Gesundheit und Leistungsfähigkeit also unerlässlich.
Das optimale Mass an Stress bezeichnet man als Eu–Stress (Euphorischer Stress). Es ist gleichzeitig definiert als Maximum von Stress, das noch immer eine Steigerung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit bewirkt. Somit gilt dies als die positive Stressphase. Bei weiterer Zunahme von Stress werden Gesundheit und Leistungsfähigkeit wieder schlechter. Der Eu–Stress schlägt in Di–Stress (Disharmonischer Stress) um und entspricht somit der negativen Stressphase.
Stress verursacht sehr hohe Kosten. In wirtschaftlicher Hinsicht können Krankheit, Fehlen am Arbeitsplatz, Unfälle, Suizid usw. genannten werden. Aber auch verborgene Kosten die Entstehen beim Scheitern von zwischenmenschlichen Beziehungen, verminderter Produktivität, geringerer Leistungsfähigkeit, erhöhter Personalfluktuation usw. sind Auswirkungen von Stress.
Es ist deshalb wichtig eine Möglichkeit zu finden, Stress zu bewältigen und abzubauen. Als erster Schritt kann schon mal nützen, wenn man Stress als positiven Antrieb statt als hemmende und schädliche Kraft einzusetzen weiss.
Um Stress oder ausgeschüttete Stresshormone aktiv zu bekämpfen sind jedoch Ventile nötig. Diese Ventile muss jeder für sich selber finden. Für den einen ist es der Sport, die Musik oder der Ausgang mit Freunden, für den anderen ist es das Erstellen eines Zeitmanagements oder das Kommunizieren innerhalb eines Betriebes oder eben einfach nur das Duschen, dass ihm hilft den Stress abzubauen.
tom72
Erschien im Mitteilungsblatt der Stadtpolizei Luzern, Ausgabe Oktober 2003 Quelle: IWB Luzern Sala/Gotsch
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