Alle Araber sind Moslems, alle Moslems sind Terroristen!

In einer Zeit, in der nicht nur die Amerikaner täglich mit Angriffen von Terroristen auf ihr Land rechnen und Fluggesellschaften wegen arabischen Passagieren ganze Flüge streichen, kriminalisiert man zunehmend einzelne Menschenrassen oder Religionsangehörige und stempelt dabei ganze Glaubensgemeinschaften kollektiv zu Terroristen ab.

Von Zeit zu Zeit ertappen wir uns auch selber dabei, dass wir alle fremdartigen Menschen, vor allem aber die Juden und die Muslime generell als Feinde unserer Kultur, unserer Religion und auch unserer Politik ansehen. Doch hat Religion wirklich etwas mit Politik zu tun?

Schon der 1948 ermordete Mahatma Gandhi sagte, dass, wer behauptet, Religion habe nichts mit Politik zu tun, nicht weiss, was Religion bedeutet. Dennoch, nicht jeder Araber ist ein Moslem. Nicht jeder Moslem ist ein Terrorist....

Das Wort 'Religion' leitet sich vom lateinischen 'religio' ab und bedeutet 'Gottesfurcht', kann aber auch als 'Versöhnung mit den Göttern' verstanden werden. Neben den grossen fünf Weltreligionen Hinduismus, Buddhismus, Islam, Judentum und Christentum, gibt es unzählige kleine noch lebendige Religionen angefangen bei den Adventisten über die Maroniten oder Sikhs bis hin zu den Zeugen Jehovas.

Zwischen den fünf grossen Religionen gibt es viele Berührungspunkte und auch Berührungsängste. Dies vor allem deshalb, weil man die fremde Religion nicht kennt. In einer dreiteiligen Serie möchte ich Euch die grossen fünf Weltreligionen stark vereinfacht ein wenig erläutern und näher bringen.



Der Hinduismus
Der Hinduismus ist die führende Religion Indiens. Fast 85% aller Inder oder 750 Millionen Menschen bekennen sich zum Hinduismus, welcher keinen Religionsstifter kennt.

Den Hindu ist das Tun und Handeln wichtiger als der eigentliche Glaube. Nach den Hindus ist die Welt ständig in Veränderung und alle Lebewesen sind einer endlosen Kette von Wiedergeburten unterworfen. Jeder Mensch wird nach dem Tod wiedergeboren, wobei die guten und die bösen Taten der vorangegangenen Geburten (Karma) über die Art der Wiedergeburt entscheiden.

Im Hinduismus, in dem man viele verschiedene Gottheiten, wie Brahma, Krischna oder auch Indra kennt, gilt die sogenannte Kastenordnung. Diese besagt, dass jeder Hindu auf Grund seines Karmas in eine bestimmte Kaste hineingeboren wird. Der Gute wird in eine hohe Kaste, der Unglückliche in eine tiefe Kaste, vielleicht sogar in Form eines Tieres, hineingeboren. Diese Kasten entscheiden, welche Stellung man innerhalb der indischen Gesellschaft ein Leben lang innehat. So ist es nicht möglich sich in eine höhere Kaste vor zu arbeiten oder sich mit einem Mitglied einer anderen Kaste zu verheiraten. Nur durch die Wiedergeburt kann man in eine höhere Kaste wechseln, bzw. hineingeboren werden.

Die Angehörigen einer Kaste helfen und unterstützen sich gegenseitig. Sie sind fast so eine Art Sozialversicherung für die einzelnen Mitglieder. Ein Bad im heiligen Fluss Ganges kann übrigens die Wiedergeburt in eine höhere Kaste begünstigen.

Erstaunlich ist, dass jeder an den Gott glauben kann, den er verehren will. Es spielt keine Rolle ob dies Brahma, Kali, Lakschmi, Schakti oder wie sie alle heissen mögen, ist. Die Gottheiten im Hinduismus sind vielgestaltig und manifestieren sich in verschiedensten Erscheinungsbildern und Charakterzügen. Sie reiten auf Ratten und Gänsen, fliegen auf Greifvögeln umher und sind mal Segen mal Verderben für die Hindus.

Im Hinduismus sind selbst die Götter vergänglich und sterblich und damit dem ewigen Kreislauf der Wiedergeburt unterworfen.

Nur die Kuh ist für alle Hindus heilig und darf weder gegessen noch verjagt werden, da sie eng mit Gott Shiwa verbunden ist.

Die Hindus kommunizieren mittels dem Tilaka, dem bekannten Punkt auf der Stirne zwischen den Augen, zu welchem Gott sie beten.



Der Buddhismus
Um 566 vor Christus kam in der heute nepalesischen Stadt Kapilavastu ein Knabe namens Siddharta Gautama auf die Welt. Die Geburt war der Legende nach von wunderbaren Vorzeichen begleitet. Seine Mutter soll geträumt haben, ein heiliges Wesen in Form eines weissen Elefanten nähme von ihrem Leib Besitz. Der Neugeborene wies alle Zeichen der Vollkommenheit auf, so dass man prophezeite, er würde entweder ein Weltherrscher oder ein Erwachter, ein Buddha, werden.

Als junger und wohlhabender Prinz machte er vier Ausflüge und begegnete dabei einem Alten, einem Kranken, einem Toten und einem Mönch. Siddharta erkannte darin die drei Leiden der Welt und seine eigene Bestimmung als Mönch. So zog der Prinz aus und wurde zum wandernden Bettelmönch Gautama, als der er sich auf den langen und mühsamen Weg der Suche nach der Wahrheit begab. Als 'vollkommen und vollständig erleuchteter' Buddha, der die 'vier edlen Wahrheiten' gefunden hatte, erreichte er schliesslich sein Ziel.

Anders als andere Religionen verzichtet der Buddhismus weitgehend auf das Überirdische und gibt vor allem Richtlinien für eine sinnvolle Lebensweise vor. Auch im Buddhismus gilt die alte indische Anschauung, dass jeder Mensch nach seinem Tod wiedergeboren wird.

Buddha wollte aus dem unaufhörlichen Kreislauf der Wiedergeburt ausbrechen, da damit immer Leiden verbunden sind. Er fand den Weg auszubrechen, in dem er die vier Wahrheiten erkannte:

1. Alles Dasein ist leidvoll und vergänglich. Die gesamte menschliche Existenz bedeutet Leiden, von der Geburt an über Krankheiten bis zum Tod. Leiden ist die Trennung von dem, was man liebt, und das Nichterlangen dessen, was man begehrt.
2. Die Ursache allen Leidens liegt in den Grundübeln Begierde, Hass und Unwissenheit. Die Unwissenheit ist eine Art Verblendung: Die Sinne gaukeln uns eine Welt vor, die überhaupt nicht der gesamten Wirklichkeit entspricht.
3. Wenn man diese Grundübel überwindet, kann man das Leiden besiegen.
4. Der Weg zur Überwindung der Grundübel liegt im achtfachen Pfad.

Dieser achtfache Pfad enthält für den Buddhisten unter anderen die Ansicht, dass das Ich vergänglich und nicht unveränderlich ist. Er enthält das Verbot andere Lebewesen zu schädigen, zu lügen oder Handlungen gegen die Sittlichkeit vorzunehmen. Man darf ‚Nichtgegebenes nicht nehmen’ und keine ‚berauschenden Getränke’ konsumieren. Darüber hinaus gibt es sehr strenge Regeln für Mönche und Nonnen.

Wenn man diesen achtfachen Pfad erfolgreich beschreitet, befreit man sich von den drei Grundübeln. Nach dem Tod wird man nicht wiedergeboren, sondern tritt in das Nirwana ein, welches den Übertritt in eine andere Sinnesweise voller Glück bedeutet.

Der Buddhismus kennt im Gegensatz zum Christentum keine ewige Seele, auch keine ewige Materie und nicht einmal einen oder mehrere Götter. Genau genommen ist der Buddhismus auch keine Religion, weil in ihm nicht von einem höheren Wesen die Rede ist und weil, zu mindest in der Theorie, jeder zu einem Buddha werden kann. Der Buddhist erlöst sich selbst, während dem der Christ nur durch den Erlöser Jesus Christus erlöst werden kann.

Der Buddhismus kennt viele verschiedene Abarten. So entstand aus dem fast schon abstrakten und sehr nüchternen ursprünglichen Buddhismus der Mahayana, welcher mit dem Bodhisattva eine Art Erlöser für das Volk kennt und vor allem in Japan, Tibet, Nepal und Budhan verbreitet ist. Der tibetische Buddhismus auch bekannt unter dem Namen Lamaismus nahm dagegen zahlreiche Götter, Volkskulte und Zauberpraktiken auf und wurde dadurch fast ins Gegenteil des ursprünglichen Buddhismus verkehrt. Diese Version des Buddhismus hat vor allem im Westen grosses Ansehen gewonnen und wird fälschlicherweise mit der gesamten Religion gleichgesetzt.

So unterschiedlich die verschiedenen Schulen des Buddhismus aber auch sein mögen, eines haben alle gemeinsam, die Meditation, die das Ziel der Geistessammlung und der damit verbunden Erleuchtung verfolgt.

Eine heilige Schrift, wie dies der Koran für die Muslime oder die Bibel für die Christen ist, gibt es für die Buddhisten nicht.

In Thailand oder Burma leben alle buddhistischen Männer ein paar Wochen ihres Lebens in einem Kloster als Mönche und betrachten dies als einen Teil ihrer Erziehung.



Der Islam
Muhammad, bei uns meistens Mohammed geschrieben, kam um 570 n. Christus in der Stadt Mekka als Sohn armer, aber durchaus vornehmer Eltern zur Welt. Nach der Geburt soll er von Engeln gewaschen worden und danach sauber wie Kristall gewesen sein. Mit sechs Jahren bereits Vollwaise, wuchs er beim Grossvater und einem Onkel auf. Muhammad hütete Schafe und betätigte sich als Karawanenführer, bevor er durch die Heirat mit einer reichen Witwe ein angesehener Kaufmann in Mekka, dem damaligen wirtschaftlichen und religiösen Zentrum Arabiens, wurde.

Im Alter von 40 Jahren wandte sich Muhammad vermehrt religiösen Fragen zu und zog sich, nach dem Vorbild christlicher Mönche, immer wieder in die Einsamkeit zurück. Eines Nachts erschien ihm während des Schlafes der Engel Gabriel in einer Vision und forderte ihn auf, die Botschaft Gottes zu verkünden.

Nach anfänglichen Zweifeln an seiner Berufung, fing Muhammad an, seine Landsleute zu ermahnen, nur an einen Gott zu glauben. In jener Zeit herrschte in Mekka aber noch eine altarabische Stammesreligion mit mehreren Göttern und Muhammad stiess somit nicht gerade auf offene Ohren. Schliesslich wurde er gar boykottiert und sah sich gezwungen, die Stadt zu verlassen, um sich in der Oase Medina niederzulassen. Diese Auswanderung im Jahre 622 wird ‚Hedschra’ genannt und gilt als Ausgangspunkt der islamischen Zeitrechnung.

In Medina wurde Muhammad mit seiner kleinen Gemeinde freundlich aufgenommen und fand schnell viele weitere Anhänger. Lediglich die in Medina lebenden Juden und Christen wollten Muhammad nicht als den Propheten, als den er sich selber sah, anerkennen. Dies führte dazu, dass er seine eigene Religion, den Islam, als neue selbständige Glaubensrichtung ins Leben rief.

Im Jahre 630 kehrte Muhammad erfolgreich nach Mekka zurück, wo er in die ‚Kaaba’, ein aus schwarzem Stein gefertigter Würfel, welcher noch heute als das religiöse Zentrum Arabiens gilt, eintrat und sämtliche heidnischen Götzen der alten polytheistischen Stammesreligion zerstörte. Gleichzeitig begann er ansässige Juden und Christen zu vertreiben oder zu töten. Aus dieser Zeit stammt der Befehl im Koran, dass alle Nichtmuslime zu unterwerfen sind.

632 starb der Prophet Muhammad und ein Jahr danach fielen die Reitscharen des Islams in die überraschten Nachbarländer ein, die bis dahin noch kaum etwas von der Existenz des neuen Glaubens gehört hatten. Innerhalb weniger als zwei Jahrzehnten gelang es den drei Kalifen Abu Bekr, Omar und Osman die reichsten Fürstentümer des Nahen Ostens zu erobern. Bis ins Jahr 732 führten die Moslems ihre Feldzüge bis nach Frankreich fort. Erst mit der christlichen Rückeroberung Granadas 1492 und der Bildung christlicher Staaten auf der Pyrenäenhalbinsel war die Rolle des Islam in Westeuropa beendet.

Der Koran, ‚die Lesung’, ist die heilige Schrift des Islams, dessen 114 Kapitel, die so genannten Suren, Offenbarungen Gottes an Muhammad wiedergeben. Für strenggläubige Moslems ist der Koran noch heute die massgebende Richtschnur für ihr gesamtes Leben. Dabei betrachten sie jedes einzelne Wort, das der Prophet empfing, als heilig. Dazu gehören die Gebote des Heiligen Krieges, des ‚Dschihad’, welche in der zweiten Sure beschrieben sind, genauso wie die zehn Gebote, die auch die Christen und die Juden in ihren heiligen Schriften kennen.

Der Islam ist eine monotheistische Glaubensgemeinschaft. Es gibt also keinen Gott ausser Gott selbst und dieser heisst Allah. Darin gleicht der Islam dem Judentum stärker als dem Christentum mit seinem dreieinigen Gott. Alle Muslime müssen fünfmal täglich nach Mekka gerichtet zu Allah beten und einmal in ihrem Leben nach Mekka pilgern. Sie müssen Wohltätigkeit üben, in dem sie einen Teil ihres Einkommens den Armen spenden. Ferner muss jeder Moslem den Fastenmonat Ramadan einhalten, während dem er von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang nichts essen und nichts trinken darf. Ansonsten verbietet es der Koran den Gläubigen, berauschende Getränke und Schweinefleisch zu konsumieren. Nach dem Tod tritt der gute Muslime ins Paradies, der schlechte aber in die Hölle ein.

Neben zahlreichen Sekten kennt der Islam vor allem zwei Hauptkirchen, jene der Sunniten und jene der Schiiten. Diese beiden Kirchen bekriegen sich wegen uralten Thronfolgerechten der damaligen Kalifen noch heute oft bis aufs Blut.

Der Islam ist eine ausgesprochen männliche, um nicht zu sagen patriarchalische Religion, welche der Frau oftmals nicht einmal eine eigene Seele zugesteht. Dies entspringt jedoch nicht dem Koran, sondern der islamischen Auslegung des Gesetzes.

Der im Zusammenhang mit dem Islam genannte Fundamentalismus bezeichnet den Weg zurück zum Ursprung eines mittelalterlichen Islams und damit eine Abkehr von allen modernen Gesetzen und Lebensformen. Dazu gehört auch die Wiedereinsetzung der ‚Scharia’, des islamischen Rechts mit seinen strengen Körperstrafen. Der Fundamentalismus oder auch Islamismus von heute dient jedoch meist nur der Ausübung einer bestimmten Politik unter dem Deckmantel des Glaubens.



Das Judentum
Die meisten Juden, nämlich 5,9 Millionen, leben heute in den USA. In Israel selbst dagegen wohnen 'nur' gerade 4,6 Millionen Menschen mit jüdischem Glauben.

In ihrem Selbstverständnis sind sie Nachkommen des biblischen Patriarchen Abraham, welcher als Stammvater der Juden gilt. Abraham zeigte Vertrauen zu einem einzigen Gott, nämlich Jahwe, obwohl er in einer Zeit lebte, in der es von polytheistischen Religionen nur so wimmelte. Abraham soll sogar dazu bereit gewesen sein, seinen geliebten Sohn Isaak seinem Gott zu opfern.

Als eigentlicher Stifter der israelitischen, jüdischen Religion gilt jedoch Moses, welcher Mitte des 13. Jahrhunderts v.Chr. lebte. Laut dem Alten Testament führte Moses das israelische Volk aus der Sklaverei in Ägypten hinaus. Als die Juden am Roten Meer ankamen, teilte sich das Wasser und sie konnten unter der Führung von Moses das Meer trockenen Fusses durchqueren. Als die ägyptische Armee den Juden durch das geteilte Meer folgen wollte, starben sie alle durch das zurückfliessende Wasser.

Mit 'Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus der Knechtschaft in Ägypten geführt hat, du sollst keine anderen Götter neben mir haben', beginnen die 10 Gebote, die Moses auf dem Berg Sinai von Jahwe erhalten hatte. Diese auf Steintafeln geschriebenen Gebote führten die Israeliten in einem Kasten, der so genannten Bundeslade, immer mit sich herum.

Das biblische Gesetz und damit die vornehmste Offenbarungsurkunde für die Juden ist heute die Thora. Sie bezeichnet die zusammengefassten 'Fünf Bücher Moses' namens Genesis, Exodus, Leviticus, Muneri und Deuteronomium. Für den jüdischen Glauben ist die Thora der ewige Quell, aus dem heraus der Glaube im täglichen Dienst Gottes lebendig wird. Denen, die das Gesetzt einhalten, gilt die Verheissung Gottes.

Der Talmud, hebräisch für 'Studium/Lehre', ist das religiösrechtliche Literaturwerk der Thora. Der Talmud ist gegliedert in Halacha und Haggada. Unter Halacha versteht man den religiösrechtlichen und verbindlichen Teil, unter Haggada den erzählenden Teil des Talmuds mit ethnischen Lehren, Weisheitssprüchen oder auch Gleichnissen. Jene Juden, welche strenggläubig die 613 Regeln des Talmuds und die darin befindlichen 10 Gebote, welche auch wir Christen kennen, befolgen und danach ihr ganzes Leben ausrichten, bezeichnet man als orthodoxe Juden.

Von der Eroberung Judäa im Jahre 332 v.Chr. durch Alexander der Grosse, über die Plünderung Jerusalems 70 n.Chr. durch die Römer unter Kaiser Titus, bis zur bekannten Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts, wurden die Juden immer wieder verfolgt und bekämpft. Und seit der Proklamation Israels zum unabhängigen Staat am 14. Mai 1948, herrscht erst recht kein Frieden mehr im gelobten Land, denn bereits einen Tag später begann der erste israelisch-arabische Krieg.

Wie in jeder Religion, kennt man auch im Judentum verschiedene Feiertage. Im Herbst feiert man das Neujahrsfest 'Rosch Haschana' dann folgen 10 Tage der Busse, welche mit dem Bettag ‚Jom Kippur’ enden. Das achttägige Lichterfest im Dezember nennt sich ‚Chanukka’. Dabei wird täglich eine Kerze mehr am bekannten achtarmigen Chanukkaleuchter angezündet. An der Bar-Mizwa 'Sohn der Pflicht' oder der Bat-Mizwa 'Tochter der Pflicht’, werden 13 Jahre alte Jungs bzw. 12 Jahre alte Mädchen für religionsmündig erklärt.

Der siebte Tag ist heilig. Er fällt bei den Juden auf den Samstag und heisst Sabbat. Der Sabbat beginnt eine Dreiviertelstunde vor dem Eintritt der Dunkelheit am Freitagabend und dauert bis am Samstagabend. In dieser Zeitdürfen die Juden nichts arbeiten, nicht schreiben, nicht rauchen, ja nicht einmal Licht einschalten. Natürlich soll man in dieser Zeit auch niemanden für sich arbeiten lassen.

Bekannt sind vom Judentum auch die speziellen Speisevorschriften. Die Juden teilen die Speisen in koschere, also rituell reine und somit geniessbare, und trefe, also ungeniessbare Kost auf. Beim Fleisch wird darauf geachtet, dass es durch Schächtung, eine spezielle Schlachtmethode, gewonnen wird. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass man im jüdischen Glauben auf keinen Fall 'Fleischiges' und 'Milchiges' zusammen kochen oder essen darf. Somit darf Fleisch nicht in der Butter, sondern nur im Öl gebraten werden. Fromme jüdische Familien besitzen sogar zwei vollständige Sätze des Kochgeschirrs, damit 'Fleischiges' und 'Milchiges' nicht im selben Topf zubereitet werden müssen.



Das Christentum
Die grösste und geografisch am meisten verbreitete Religion der Welt ist das Christentum. Der Begründer dieser Glaubensrichtung ist Jesus Christus, welcher einige Jahre vor unserer Zeitrechnung auf die Welt kam. Er entstammte einer Familie, der auch der jüdische König David angehörte. Bis zum Alter von ungefähr 30 Jahren lebte Jesus zurückgezogen als Zimmermann bei seinen Eltern in Nazareth.

Dann trat er in der Öffentlichkeit auf und predigte die frohe Botschaft Gottes. Er sammelte Jünger um sich, aus denen er schliesslich 12 Apostel auswählte, mit denen er durch Palästina zog. Jesus verwendete in seinen Reden viele Gleichnisse und bewirkte viele Wunder. Da er im jüdischen Glauben erzogen worden war, predigte er oft auch in jüdischen Synagogen.

Jesus erhob den Anspruch, von Gott gesandt zu sein. Mit seinen oft unbequemen Äusserungen und anstössigen Taten, zum Beispiel sich mit Sündern und Kranken zu zeigen, stiess er in den oberen Gesellschaftskreisen auf Ablehnung. Immer wieder sagte Jesus seinen gewaltsamen Tod voraus. Als er nach Jerusalem kam, um das jüdische Passahfest zu begehen, wurde er als langersehnter Messias gefeiert. Doch die Behörden verhafteten Jesus und führten ihn dem römischen Statthalter Pontius Pilatus vor, welcher ihn zum Tode am Kreuz verurteilte.

Jesus starb somit den gewöhnlichen menschlichen Tod. Doch er hat den Tod überwunden, indem er zu Ostern von den Toten auferstand. Dieser Glaube an die Auferstehung führte zur Herausbildung des Christentums als eigene Religion und wird zu Ostern, dem höchsten christlichen Fest, gefeiert.

Jesus erhielt den Beinamen Christos, der ‚Gesalbte’. Das hebräische Wort dafür ist Maschiah oder Messias. Jesus ist der Erlöser, den die jüdischen Propheten voraussagten. Dass er wirklich gelebt hat, steht historisch ausser Zweifel.
Die Heilige Schrift der Christen heisst Bibel. Das ‚Alte Testament’ erinnert an den alten Bund Gottes mit dem Volke Israel und enthält die Schriften der Juden (z.B. die Bücher des Moses), der Propheten und die Psalmen. Es zeugt davon, dass das Christentum auf dem Judentum begründet ist. Durch Jesus Christus offenbarte Gott einen neuen Bund, an dem nicht nur die Israeliten, sondern alle Menschen der Erde teilhaben sollten.

Das ‚Neue Testament’ vereint die vier christlichen Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, welche als die wichtigsten Quellen für das Leben und Wirken angesehen werden sowie die Apokalypse, die Apostelgeschichte und -briefe. Im ‚Neuen Testament’ finden sich ausserdem zentrale Inhalte des christlichen Glaubens und es hat einen anderen Gottesbegriff als das ‚Alte Testament’. Es unterscheidet einen dreifaltigen Gott bestehend aus Gottvater, dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Nach dem christlichen Glauben ist der Mensch ein Sünder und bleibt es auch bei tadellosem Lebenswandel bis zu seinem Tod. Erst wenn er vor Gott tritt, kann ihm dieser die Sünden erlassen.

Lange Zeit wurden die Christen verfolgt und umgebracht. Erst Kaiser Konstantin erhob das Christentum zu einer gleichberechtigten Religion, bevor 380 n. Chr. Kaiser Theodosius den christlichen Glauben sogar zur Staatsreligion ausrufen liess. Bis zur Jahrtausendwende sollte fast ganz Europa zum Christentum bekehrt worden sein.

In der nachfolgenden Zeit entbrannten zwischen dem Kaiser- und dem Papsttum erbitterte Kämpfe um das Recht der Einsetzung der Bischöfe. Schliesslich konnten sich die religiösen Führer jedoch durchsetzen und anfangs des 13. Jahrhunderts gar die Thronstreitigkeiten Deutschlands nach ihrem Willen entscheiden. Aber auch kirchen-intern entstanden immer wieder grosse Probleme. So gab es zwischen 1378 und 1417 nicht einen, sondern zwei Päpste, die jeder für sich den Titel des Pontifex Maximus beanspruchten. Auch wenn es heute noch bei einzelnen Fragen Meinungsverschiedenheiten gibt, so ist die Autorität des Papstes für die gesamte katholische Christenheit doch ungebrochen.

Die katholische Kirche
Die katholische Kirche steht unter der Leitung des Bischofs von Rom, des Papstes. Er gilt in Fragen des Glaubens und der Moral als unfehlbar, sofern er sich in offizieller Form äussert. Unter dem Papst steht eine hierarchisch gegliederte Geistlichkeit mit Kardinälen, Bischöfen und Priestern, welche wie alle Geistlichen zu Ehelosigkeit und sexueller Abstinenz verpflichtet sind. Die katholische Kirche kennt sieben Sakramente und hat als ausgeprägte Rechtskirche ein eigenes Kirchenrecht, welches für die Glaubensangehörigen verbindlich ist.

Die orthodoxe Kirche
Anno 1054 spaltete sich die orthodoxe Kirche, welche vor allem in der griechischen und slawischen Welt vertreten ist, von der katholischen ab, weil sie die absolute Oberhoheit des Papstes nicht anerkennen wollten. So gibt es in den Ostkirchen, wie sie oft genannt werden, Patriarchate und Landeskirchen. Vom Glaubensinhalt her unterscheiden sich die Orthodoxen nur geringfügig von den Katholiken.

Die evangelische Kirche
Fast 500 Jahre später, 1517, schlug der Augustinermönch Martin Luther ein Papier mit 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche von Wittenberg. Er kritisierte darin die katholische Kirche und insbesondere den Ablasshandel. Diese Thesen stiessen auf ein gewaltiges Echo und lösten die Reformation aus. Aus dieser Reformation ging die evangelische Kirche, der Protestantismus, hervor.

Die Frei- und Sonderkirchen
Neben den drei genannten Kirchen gibt es im christlichen Glauben noch eine Vielzahl von Frei- und Sonderkirchen. Darunter finden wir Mennoniten und Baptisten, die vorwiegend in Nordamerika weitverbreitet sind. Sie verwerfen die Kindstaufe und fordern statt dessen die Erwachsenentaufe. Die Baptisten, deren Name vom griechischen ‚Täufer’ kommt, haben weltweit etwa 30 Millionen Religionsangehörige. Die Mennoniten, welche keinen Kriegsdienst leisten, haben eine Religionsgemeinschaft von etwa 800'000 Personen, zu denen auch die Amischen (Amish People) gehören.

Die etwa fünf Millionen Adventisten des ‚Religionsstifters’ William Miller, ein Farmer aus New York, erwarten die Wiederkunft Christi und sind teilweise zu jüdischen Geboten zurückgekehrt, in dem sie den Sabbat würdigen. Sie essen kein Fleisch und trinken keinen Alkohol.

Weltweit gehören etwa 70 Millionen Menschen der anglikanischen Kirche an, welche sich um 1531 von der katholischen Kirche abspaltete und sich noch heute trotz Annäherrungen an Rom, als vom Papst unabhängig verstanden haben will. Der anglikanischen Kirche gehören neben den Kirchen Englands, Schottlands und Irlands unter anderem auch die ‚Japanische heilige katholische Kirche’ an. Von den Anglikanern spalteten sich im 18. Jahrhundert die Methodisten ab, die heute mit 50 Millionen Menschen eine der grössten Freikirchen der USA darstellen.

Daneben gibt es noch die Altkatholiken, die Altlutheraner oder auch die calvinistische Kirche. Die Kirche von Johannes Calvin, welche neben strengem Bibelgehorsam die Verbannung von Musik und Bildschmuck aus der Kirche proklamiert, ist heute mit 46 Millionen Anhängern die zweitstärkste protestantische Gruppierung.

Es gibt den Caodaismus der Vietnamesen, welcher neben ostasiatischen und indischen auch christliche Elemente in der Religion vereint. Oder die Christian Science, die Christliche Wissenschaft der Amerikanerin Marry Baker-Eddy, die jegliche medizinische Behandlung Kranker ablehnt und auf die Gebete zu Gott vertraut.

Nicht zu vergessen sind auch die 1,3 Millionen Maroniten, sechs Millionen Mormonen, die sechs Millionen Anhänger der Pfingstbewegung, die 300'000 Quäker oder etwa die fünf Millionen Zeugen Jehovas.

Und dann bestehen natürlich unzählige Freikirchen, die sich von den Staatskirchen abspalten und somit keine Kirchensteuer mehr bezahlen müssen. Dazu gehören in England die Presbyterianer oder auch die Kongregationalisten.

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Erschien im Mitteilungsblatt der Stadtpolizei Luzern, in dreiteiliger Folge in den Ausgaben Januar, April und Juli 2004




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