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Nicht einmal hundert Jahre waren seit dem ersten Telefongespräch von Alexander Graham Bell vergangen, als der amerikanische Informatiker Ray Tomlinson 1971 zu Testzwecken das allererste E–Mail verschickte. Dieses Testmail hatte den merkwürdigen Inhalt ‚QWERTYUIOP’ was der oberen Buchstabenreihe einer amerikanischen Computertastatur entspricht.
Tomlinson arbeitete damals an einem Programm, das es erlauben sollte, Nachrichten elektronisch zu verschicken. Für die Anschrift wählte er damals das Zeichen @, das seither längst zur Ikone des digitalen Zeitalters geworden ist.
Tomlinson wählte das @ aber nicht rein zufällig aus. Er musste seinen eigenen Angaben zufolge ein Zeichen finden, um den Empfängernamen und den Namen des Rechners typografisch von einander zu trennen. Dabei durfte das Zeichen in keinem Namen sonst vorkommen. Diese Funktion konnte das @ als nicht alphabetisches Zeichen perfekt erfüllen.
Dabei erfand der amerikanische Programmierer das verschnörkelte a nicht etwa neu, sondern griff auf ein Zeichen zurück, das im Schriftenverzeichnis seines Computers bereist vorhanden war.
In der englischen Sprache wurde das @ nämlich schon früher verwendet. Es wurde benutzt, um einen Stückpreis anzugeben. Beispielsweise ‚ten piece @ $ 1.50’ was soviel bedeutete wie ‚zehn Stück zu $ 1.50’. Das @ wurde hier als ‚at’ ausgedrückt was gleichlautend war wie das deutsche ‚zu’. ‚At’ steht im englischen Sprachgebrauch aber gleichzeitig auch für ‚bei’ oder ‚auf’, womit Tomlinson zum Ausdruck bringen konnte, dass ein Empfänger ‚auf’ einem Rechner lokalisiert ist.
Der Ursprung und sprachliche Hintergrund dieses sonderbaren Zeichens ist recht bemerkenswert. Historiker gehen davon aus, dass das @ schon im 16. Jahrhundert von den venezianischen Handelsleuten als Abkürzung für das Gewichtsmass ‚anfora’ gebraucht wurde. Auch Hinweise, wonach das ominöse Zeichen von anderen Kaufleuten des Mittelalters verwendet wurde, sind bekannt.
So kennen auch die Spanier das @ oder wie sie es nennen ‚arroba’ schon seit dem 16. Jahrhundert. Damals bezeichnete es ein Gewichts– bzw. Hohlmass, welches im schriftlichen Verkehr eben mit dem Zeichen @ abgekürzt wurde. Hierzulande geht es mit bedeutend weniger historischem Tiefsinn zu und her.
Der neue deutsche Duden notabene kennt das Zeichen @ nicht unter ‚at’ sondern lediglich unter Klammeraffe.
Im Gegensatz zum Klammeraffen fand der Affenschwanz wie das @ in der Deutschschweiz meist genannt wird, den Weg in den Duden nicht. Vermutlich findet man diesen Ausdruck zu gewagt. Obwohl, auch die Holländer und Belgier sagen Affenschwanz bzw. ‚apenstaartje’ zum @.
Für weniger exotische Tiere haben sich übrigens die Italiener entschieden. Sie sagen ‚chiocciola’ oder die Verkleinerungsform ‚chiocciolina’ dazu, was Schnecke oder kleine Schnecke, Schnecklein bedeutet.
Und auch die Russen ziehen einheimische Tiere vor. Sie kennen das @ unter dem Begriff ‚sobatschka’, was zu Deutsch Hündchen heisst. Die Finnen wiederum finden ‚miuku mauku’ also das Miauen der finnischen Katze den geeigneten Ausdruck. Dabei können die Russen beim Anblick des sonderbaren Zeichens durchaus einen schlafenden Hund und die Finnen eine zusammengerollte Katze gesehen haben. Apropos gerollt: In Tschechien und der Slowakei sagt man dem @ ‚zavinac’. Das heisst Rollmops.
Und so zieht es sich weiter durch die verschiedenen Länder und Kulturen. Einen besonderen Namen haben sich die Schweden und ihre Nachbarn die Dänen ausgedacht. Sie nennen das @ liebevoll ‚snabel–a’ was auf Deutsch so viel wie ‚Rüssel–a’ heisst. Bei den Griechen schliesslich wird aus dem Affenschwanz gar ein ‚papaki’ was Entchen heisst. Wo man da jedoch ein Entchen entdecken will, bleibt schleierhaft.
Gänzlich aus der Tierlinie fällt das Kroatische, wo das @ auf den Ausdruck ‚manki’ hört, was mit verrückt übersetzt wird. ‚Manki’ jedoch erinnert lautlich an das englische Wort Monkey, also Affe, womit wir fast wieder beim Affenschwanz angelangt sind.
Der Beispiele aus anderen Sprachen wären noch viele. Die meisten erinnern an die Tierwelt, wobei das @ da mit der Computermaus ja nicht in der schlechtesten Gesellschaft ist. Oder?
Wer sich für weitere Ausdrücke und Synonyme für das kleine Dings interessiert, kann sich auf der Homepage von Hanno Kühnert ein wenig weiterbilden und gleichzeitig über die Schreibweise des Autors amüsieren.
tom72
Erschien im Mitteilungsblatt der Stadtpolizei Luzern, Ausgabe Juli 2003
Quelle: Context 5/03 und Internetseite des Hanno Kühnert
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